Peter Feil
Bild © Ben Knabe, hr

Mit elf Jahren wusste Peter Feil, dass er Berufsmusiker werden wollte. Mit 16 gründete er eine eigene Band in Trier. Das Musikstudium führte ihn nach Köln und schließlich 1996 nach Frankfurt zur hr-Bigband. Im Interview erzählt der Bach-Fan außerdem, wo er ist, wenn er mal nicht arbeitet.

Interview: "Blech statt Tasten"

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Steckbrief

Geboren 1962 laut seinem Personalausweis in "Ehrang jetzt Trier", lebt Peter Feil mit seiner Familie in Frankfurt am Main.

1982-1988 Posaunen- und Kompositionsstudium an der Musikhochschule Köln.

1984-1985 Mitglied des Deutsch-Französischen Jazz Ensembles unter Leitung von Albert Mangelsdorff und Jean-Francois Jenny-Clark.

Spielte mit: Cologne Trombone Summit, Albert Mangelsdorff, Gunter Hampel, Alexander von Schlippenbach, Shirley Bassey u.a.

Seit 1996 Mitglied der hr-Bigband.

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Frage: Wie sind Sie zur Musik gekommen?
Feil: Mit fünf Jahren bekam ich bei meiner Tante den ersten Klavierunterricht. Als ich acht war, wechselte ich zu Reinhold Neisius, er war Organist in meiner Heimatstadt. Aber eigentlich wollte ich lieber ein Blechblasinstrument lernen und überzeugte meine Eltern, mir eine Posaune zu kaufen. Da war ich zehn Jahre alt. Unterricht bekam ich bei Günther Solga, Posaunist beim Städtischen Theater Trier. Mit zwölf trat ich dann in den örtlichen Musikverein ein. Außerdem spielte ich im evangelischen Posaunenchor. Das war schon etwas Außergewöhnliches, da ich katholisch war. Deshalb musste ich auch vorher den Pfarrer um Erlaubnis fragen. Mit 16 trat ich ins Sinfonieorchester der VHS Trier ein und gründete mit Schulfreunden meine eigene Band, mit der ich Free Jazz spielte. Da stand allerdings auch schon lange für mich fest, dass ich Berufsmusiker werden wollte – ich glaube, diesen Entschluss traf ich schon mit elf.

Frage: Welche waren Ihre wichtigsten Stationen bevor Sie zur hr-Bigband kamen?
Feil: 1982 bestand ich die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule Köln für mein Studium bei Jiggs Whigham und Axel Jungbluth. Rückblickend war der Sprung nach Köln die wichtigste Entscheidung für meine Karriere als Berufsmusiker. Die Stadt war damals der einzige Ort in Deutschland, an dem man Jazz- und Popularmusik studieren konnte. Dort gab es ja die WDR-Bigband mit Dave Horler, Olivier Peters und Jerry van Rooyen, die die dortigen Studenten sehr unterstützt haben. Man durfte immer bei den Produktionen zuschauen. Später habe ich dann auch bei der WDR-Bigband als Aushilfe mitgespielt. 1996 kam ich zur hr-Bigband.

Frage: Wer sind Ihre musikalischen Vorbilder?
Feil: Eigentlich habe ich zu viele Vorbilder, um sie hier alle zu nennen. Was mich aber wirklich beeindruckt hat, ist das Werk von Hanns Eisler. Neben dem Musikmachen komponiere ich auch sehr gerne.

Frage: Was ist Jazz für Sie?
Feil: In Deutschland gibt es ja eine sehr starke Trennung zwischen E- und U-Musik. Doch gerade beim Jazz würde ich diese Aufteilung nicht so sehen. Jazz kann nämlich beides sein.

Frage: Was zeichnet Posaunisten aus?
Feil: Die meisten Posaunisten sind Gentlemen! (lacht)

Frage: Welche war Ihre erste Schallplatte?
Feil: Ein Sampler von Charlie Parker, da war ich neun Jahre alt. Meine erste selbstgekaufte Platte war von Miles Davis und Sonny Rollins.

Frage: Wo sind Sie, wenn Sie nicht arbeiten?
Feil: Ich bin ehrenamtlicher Mitarbeiter bei der Arbeiterwohlfahrt und arbeite im Jugendzentrum Hausen. Dort leite ich verschiedene Musikprojekte. Außerdem spiele ich zusammen mit Udo Kistner in einer Rockband, wir sind zu viert und interpretieren die Songs von Jimi Hendrix. Lesen ist eins meiner weiteren Hobbies - Geschichte und Politik interessieren mich besonders.

Frage: Welche Musik hören Sie privat gerne?
Feil: Alles – auch viele neue Sachen. Obwohl – vielleicht doch nicht alles: womit man mich jagen kann, sind christliche Lieder zur Gitarre.

Frage: Wann bekommen Sie eine "Gänsehaut"?
Feil: Wenn ich unter einer großen Orgel stehe, auf der gerade Bach gespielt wird.

Frage: Ihr Tag war erfolgreich, wenn ...
Feil: ... wenn mir etwas beim Komponieren geglückt ist oder wenn ich es geschafft habe, dabei eine Stimmung einzufangen, anstatt nur emotional zu schreiben.

Interview: Isabel Schad