Martin Scales
Bild © Ben Knabe, hr

Schon mit 15 trat er zusammen mit seinem älteren Bruder in Bars und Clubs der US-Armee in Garmisch-Partenkirchen auf. Über München und New York führte ihn später sein Weg zur hr-Bigband nach Frankfurt.

Interview: "Die Gitarre ist das Coolste."

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Steckbrief

Geboren 1967 in Garmisch-Partenkirchen, lebt mit Frau und zwei Kindern in Frankfurt.

Gitarre mit 10, ab 15 Gigs in Clubs und Hotels der US-Armee in Garmisch und Umgebung. Mit 19 eigene Jazz-Band mit Johannes Enders (sax) und Bruder Patrick Scales (bass). Nach Studienaufenthalten in Brasilien, in New York City an der New School bei Adam Nussbaum, Joe Chambers, Mike Stern und an der Kölner Hochschule für Musik, lebte er lange in München.

Spielte u.a. mit Pee Wee Ellis, Till Brönner, Klaus Doldinger, Rebekka Bakken, Barbara Dennerlein, Adrian Mears, Johannes Enders, Wolfgang Haffner, Jo Kraus, Tony Lakatos, Roberto Di Gioia u.a.. Gitarrist in der Band der Bully-Parade.

Gitarrist der hr-Bigband seit Januar 2007.

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Frage: Wie sind Sie zur Musik gekommen?
Scales: Das ist eigentlich eine lustige Geschichte: In meinem Heimatort Garmisch-Partenkirchen waren in den 70er und 80er Jahren viele amerikanische Soldaten stationiert. Entsprechend war dort für einen relativ kleinen Ort musikalisch recht viel los. In den Hotels und Clubs der GIs gab es immer Live-Musik, meistens wurden dort Blues- und Rock-Covers gespielt. Und da mein Vater Engländer ist, hat er immer gerne die Gesellschaft von Leuten gesucht, mit denen er Englisch sprechen konnte. Das waren in dem Fall die Musiker.

So hat er meinen älteren Bruder und mich oft zu diesen Konzerten mitgenommen, und so bekamen wir auch unsere ersten Gitarrenstunden. Mit ungefähr 12 Jahren habe ich mit Gitarre angefangen. Ich fand einfach, das war das coolste Instrument, das man in einer Band spielen konnte. Die erste eigene Band gründete ich mit 15, mit meinem Bruder am Bass. Bald hatten wir schon regelmäßige Auftritte mit Coverbands in den Clubs und Hotels der US-Army in Garmisch und Umgebung.

Frage: Wie sieht Ihr musikalischer Werdegang aus?
Scales: Nach dieser Vorgeschichte war mein Berufswunsch natürlich klar. Nach dem Abitur habe ich erst mal ein paar Jahre fast nur mit Üben verbracht, da haben sich meine Eltern schon Sorgen gemacht, ob aus mir noch was Gescheites werden wird. (lacht) Aber dann ich bin nach München gegangen und habe direkt angefangen, als freischaffender Musiker zu arbeiten. Später habe ich ein halbes Jahr an der New Yorker "New School" studiert und danach in Köln an der Musikhochschule angefangen. Aber es hat mich schnell wieder nach München gezogen.

Ich hatte einfach das Glück, ziemlich früh interessante Engagements zu bekommen. So habe ich zum Beispiel mit Klaus Doldinger, Pee Wee Ellis, Johannes Enders, Till Brönner, Joo Kraus, Rebekka Bakken, Wolfgang Haffner und vielen anderen gearbeitet, und mit meiner eigenen Band als Gewinner eines Wettbewerbes eine CD für das Label "Blue Note" aufgenommen. Seit Januar 2007 bin ich bei der hr-Bigband dabei und meine Kinder müssen jetzt hessisch lernen... (lacht)

Frage: Wie kommt man als Gitarrist zum Jazz?
Scales: Das ist gar nicht so abwegig, wie es vielleicht aussieht. Die Gitarre ist oft eine Brücke zwischen Jazz und anderen Musikstilen. Und die Verbindung von Jazz und Blues ist ja auch sehr eng – und da gehört die Gitarre einfach dazu. Als Kind habe ich Jazz durch die Plattensammlung meines Vaters gehört, und konnte mit dieser Musik zuerst nicht viel anfangen. Stattdessen habe ich Beatles und Jimi Hendrix vorgezogen, die ich auch heute noch gut finde. Aber mit der Zeit habe ich immer mehr Gefallen am Jazz gefunden.

Frage: Kennen Sie einen Gitarristen-Witz?
Scales: Ja: Wie bekommt man einen Gitarristen dazu, dass er leiser spielt? Setz ihm Noten vor! Gitarristen wird nämlich nachgesagt, dass sie erstens ihren Verstärker gerne zu laut aufdrehen, und zweitens keine Noten lesen können.

Frage: Wer sind Ihre musikalische Vorbilder?
Scales: Miles Davis, John Coltrane, Jaco Pastorius, George Benson, John Scofield, Pat Metheny, um nur einige zu nennen. Ich finde auch ein paar Sänger und Sängerinnen ganz toll: zum Beispiel Joni Mitchell.

Frage: Welche war Ihre erste Schallplatte?
Scales: Eine Beatles-Platte!

Frage: Was machen Sie gerne, wenn Sie nicht arbeiten?
Scales: Kinder hüten! (lacht) Nein, nicht nur, aber ich versuche, möglichst viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Außerdem reise ich sehr gerne, am liebsten nach Südamerika, besonders nach Brasilien – natürlich auch wegen der Musik, die dort gespielt wird.

Frage: Welche Musik hören Sie privat gerne?
Scales: Neben Jazz gerne brasilianische Musik. Caetano Veloso, Djavan und Lenine gehören zu meinen Favoriten. Ich mag auch afrikanische Musik.

Frage: Wann bekommen Sie eine "Gänsehaut"?
Scales: Manchmal, wenn ich mir ein Konzert anhöre, wenn dabei etwas rüberkommt, das mich berührt.

Frage: Ihr Tag war erfolgreich, wenn ...
Scales: ... ich abends das Gefühl habe, den Tag über keine Zeit für unnötige Dinge verschwendet zu haben.

Interview: Isabel Schad

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Diskographie (Auswahl)

Scales: Grounded (Blue Note Records 2000)
Scales Brothers: Our House (Enja Records 1997)
Scalesenders: This And More (Edition Collage 1994)

Pee Wee Ellis: Different Room (Skip 2006)
Joo Kraus & Basic Jazz Lounge: The Ride (Edel 2006)
Sabina Hank feat. Bob Mintzer: Music in a Mirror (Quintone 2004)
Till Brönner: Blue Eyed Soul (Verve 2002)
Tony Lakatos: Move It (Universal Japan 2001)
Wolfgang Haffner: Urban Life (Skip 2001)
Zappelbude: Zappelbude (Mood Records 1998)
Pee Wee Ellis: A New Shift (Minor Music 1996)

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