Manfred Honetschläger
Bild © hr, Ben Knabe

Die Bassposaune ist "ein Instrument, das eher funktional ist, denn als Solo-Instrument dient", sagt Manfred Honetschläger. Er komponiert und arrangiert Filmmusik und setzt in seiner Freizeit gerne mal die Segel.

Interview: "Ein segelnder Komponist"

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Steckbrief

Geboren 1959.
Studium an der Musikhochschule Frankfurt (1980-83). 1981-84 Posaunist in der Oper Frankfurt. Seit 1984 Bassposaunist der hr-Bigband.

Kompositions- und Arrangementstudien bei Bill Dobbins und Raiburn Wright (Eastman School of Music in Rochester, New York), Kenny Napper (Konservatorium Hilversum),
Bob Brookmeyer (Köln).

Spielte(e) mit oder arrangierte für: James Morrison, Randy Brecker, Chaka Khan, Ute Lemper, Philip Catherine u.a..

Seit 1996 regelmäßige Orchester- und Filmmusikproduktionen mit dem Radio-Sinfonieorchester Warschau

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Frage: Wie sind Sie zur Musik gekommen?
Honetschläger: Mein Onkel hat mich als Kind in Butzbach, wo ich herkomme, mit zur Bläserkapelle genommen, mit der Idee, dass ich dort Klarinette oder Saxophon lernen sollte. Leider waren diese Instrumente schon vergeben und sie hatten nur noch Posaunen vorrätig. Also habe ich Posaune gelernt, bereut habe ich das aber nie – im Gegenteil!

Frage: Wie sieht Ihr musikalischer Werdegang aus?
Honetschläger: Bevor ich zum Orchestermusik-Studium an die Frankfurter Musikhochschule ging, habe ich bei der Bundeswehr im Musikkorps gespielt. Das war eine sehr gute Vorbereitung. Schon 1981, ich war im zweiten Semester, wurde mir eine feste Stelle als Posaunist beim Frankfurter Museumsorchester angeboten. Dort spielte ich drei Jahre lang. 1984 kam ich zur hr-Bigband, nachdem ich vorher schon öfter in der hr -Bigband und dem hr- Sinfonieorchester ausgeholfen hatte. Kurz danach ging ich für einen Kompositions- und Arrangementkurs an die Eastman School of Music in New York. In den Neunziger Jahren absolvierte ich zudem ein Studium für Arrangement in Hilversum in Holland und einen Kompositionskurs bei Bob Brookmeyer in Köln. Seither spiele ich nicht nur in der hr-Bigband, sondern komponiere und arrangiere auch Musik für Kino und Fernsehen.

Frage: Zum Beispiel?
Honetschläger: Der wohl bekannteste Film, für den ich die Musik geschrieben habe, war "Erbsen auf halb sechs" mit Fritzi Haberlandt. Dafür wurde das Radiosinfonieorchester Warschau engagiert, mit dem ich schon seit mehreren Jahren zusammenarbeite. Das Schreiben für sinfonisches Ensemble begann damals mit einem Streichersatz für Kellogg’s . Für die No Angels, Culture Beat und Lafee habe ich dann Stücke arrangiert. Bei solchen Popmusik-Projekten passiert es oft, dass man mit Komponisten arbeitet, die ihre Ideen nicht aufs konventionelle Notenpapier schreiben, sondern auf dem Computer nach dem Gehör Stücke verfassen. Danach brauchen sie dann Arrangeure, die ihnen die Musik für ein Orchester aufbereiten.

Frage: Wie gehen Sie vor, wenn Sie selbst komponieren?
Honetschläger: Wenn ich für einen Film komponiere, ist es wichtig, dass mehrere musikalische Parameter zum Bild passen. Man muss Schnitt-genau komponieren und später auch spielen. Dank der Möglichkeiten meiner Notations-Software kann ich die Partitur schnellstens verändern, wenn Szenen neu geschnitten werden. Später bei der Aufnahme läuft das Bild immer mit, das brauchen wir hauptsächlich für die dynamische Abstimmung.
Beim komponieren entwerfe ich zuerst einen dynamischen Verlauf und ein metrisches Gerüst, also ein Grundtempo, das zu den Bildern passt. Generell entscheide ich, ob ich die Handlung eines Films emotional potenzieren möchte oder eher einen Kontrapunkt setze, indem ich zum Beispiel eine getragenen Musik über eine Szenen lege, die viel Bewegung und schnelle Schnitte hat.

Frage: Wer sind Ihre musikalische Vorbilder?
Honetschläger: Da ich viel selbst komponiere und arrangiere sind dies vor allem Komponisten wie Verdi, Puccini, Brahms, Bruckner, Wagner und die Vertreter der klassischen Moderne. Als Filmmusik-Komponist finde ich außerdem John Williams toll. Im Jazz-Genre gehören Bob Brookmeyer, Clare Fischer und Maria Schneider zu meinen Vorbildern.

Frage: Ihre erste Schallplatte?
Honetschläger: ... war von Deep Purple. Mein Interesse für Jazz kam also erst später.

Frage: Welche Musik hören Sie heute privat gerne?
Honetschläger: Sehr gerne Klassik, viel Kammermusik, aber natürlich auch Jazz, zum Beispiel von kleineren Combos gespielt oder auch Sängerinnen wie Carmen McCrae und Sherley Horn und Nina Simone. Gerne schleiche ich mich auch zu unserem Sinfonieorchester und höre beim Proben zu. Neulich probte Penderecki sein Cello-Konzert im Sendesaal. An gleichen Tag hat Michael Gibbs, der den Beitrag der Bigband zum diesjährige Jazz-Festival gestalten wird, mit uns gearbeitet. Abends habe ich noch eine Karte für Earth, Wind & Fire ergattern können. So eine Mischung gefällt mir!

Frage: Was machen Sie gerne, wenn Sie nicht arbeiten?
Honetschläger: Sport und für die Familie kochen. Zusammen mit zwei Kollegen habe ich außerdem vor ein paar Jahren ein Segelboot bei Ebay ersteigert. Also gehe ich auch ab und zu auf Segeltour.

Frage: Wann bekommen Sie eine "Gänsehaut"?
Honetschläger: ... bei italienischen Opern und bei guter Filmmusik.

Frage: Ihr Tag war erfolgreich, wenn ...
Honetschläger: ... viel Spaß dabei war und auch Leidenschaft.

Interview: Isabel Schad